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Öffentlicher Workshop in Lich-Muschenheim

21. September 2023_Lich-Muschenheim. Miteinander reden und etwas für den Ort erreichen. Hierfür bot der öffentliche Workshop in Rahmen der ZukunftsQuartiere im Landkreis Gießen eine gute Gelegenheit. Eingeladen hatten die Projektbüros B.A.U.M. Consult GmbH und KEEA GmbH. Sie sind beauftragt, Ende des Jahres den Endbericht mit einem Katalog an Maßnahmen vorzulegen, die in Muschenheim umgesetzt werden könnten. Ortsvorsteher Joseph Benner und Klimaschutzmanager Peter Kupetz freuten sich über 30 Teilnehmende, die ihre zahlreichen Ideen und Wünsche in Projektsteckbriefen festhielten. 

Kurzvorträge und Informationen von Armin Raatz und Bernhard Daniel Schütze, KEEA GmbH, sowie Christopher Prange und Joshua Dietz, B.A.U.M. Consult GmbH, gaben Einblicke in die jeweiligen Handlungsfelder und die bisherigen Ergebnisse. Jetzt galt es, die Ideen und Wünsche der Teilnehmenden in den verschiedenen Themenbereichen, wie Energieversorgung, Wohnen und Gemeinwesen, Mobilität und Nahversorgung sowie Öffentlicher Raum und Klimaanpassung zu ermitteln.  

Ein Dorfauto, das gibt es bereits. Dies bekannter zu machen und die Reservierung über eine App zu erleichtern, war ein Vorschlag. Der Wunsch nach einem Dorfladen als Containerlösung soll weiterhin – trotz noch bestehender baurechtlicher Hürden –verfolgt werden. Kleinere Alternativen wie die Organisation über einen Verein in einem leerstehenden Gebäude scheinen auch möglich. Überhaupt ist der Wunsch nach zentralen Treffpunkten für jedes Alter groß. Auch eine effiziente Wohnraumnutzung und die Notwendigkeit ältere Bürgerinnen und Bürger dabei zu unterstützen, ihren Wohnraum seniorengerecht zu verkleinern, wurden als wichtige und langfristige Aufgaben diskutiert. Neben neuem Wohnraum für Mehrgenerationenwohnen, einer Senioren-WG und Gemeinschaftsarbeit mit und für Senioren, möchte auch die Generation Mitte einen Treffpunkt haben: Die Rede war von einem Stammtisch, einem Café, einer Kneipe oder einem Gemeinschaftshaus. 

Die leerstehenden Gebäude in den Fokus zu nehmen, regelmäßiger Austausch mit Denkmalpflege und die Einbeziehung des Altbauberatungs- und Informationszentrums des Landkreises Gießen und der Stadt Grünberg in Grünberg, aber auch die Neubauvorhaben mit Auflagen für Klimaschutz und Klimaanpassungsmaßnahmen zu belegen, wurden notiert.  Klimafreundlich und sicher zum Kindergarten zu gelangen, die Radwegbeschilderung zu verbessern, ein Lasten-Leihrad, attraktive Fußwege und die Beseitigung der Engstellen an Hauptverkehrsstraßen, auch das waren Wünsche der Teilnehmenden. Diese gilt es besonders in Anbetracht der baldigen Sanierungs- und Neugestaltungsmaßnahmen der Landesstraßen zu berücksichtigen.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer arbeiteten intensiv an den Thementischen, diskutierten über die Neugestaltung des alten Rathausplatzes, Bushaltestellen mit Dachbegrünung sowie die Notwendigkeit einer besseren ÖPNV-Taktung sowie einen Shuttle-Bus. Auch Regenwassermanagement, Vorsorge vor Starkregen und Hochwasser, Rückhaltebecken und die Reinigung der Flutgräben wurden vermerkt. Zur Gestaltung von Natur und Förderung der Blühwiesen wurden eine Neuauflage von Patenschaften für Grünflächenpflege sowie die Schaffung von Blühflächen vorgeschlagen.

Im Bereich Energie wurde angeregt, den Bau eines Wärmenetzes zu prüfen und Best Practice Beispiele bei Fragen zur Erdwärme aufzuspüren. Photovoltaik, kommunale Förderung für Stecker-Solar-Anlagen und vor allem mehr individuelle Beratung zu Solarstrom, Wärmepumpe, Dämmung und Fördermittel sind in Muschenheim sehr gefragt. Die Stadtverwaltung solle es vormachen und ihre kommunalen Gebäude zeitgemäß sanieren, so ein ebenfalls genannter Wunsch. (Diana Wetzestein, KEEA)

Auf dem Weg zum Quartierskonzept wurde der öffentliche Workshop durchgeführt und wichtige Maßnahmen ergänzt

20. September 2023_Hungen-Obbornhofen. Gute Gespräche, interessante Informationen, viele Ideen und aktive Mitarbeit, all das machte diesen öffentlichen Workshop aus. Eingeladen hatten die Projektbüros KEEA GmbH und B.A.U.M. Consult GmbH, die für sechs ZukunftsQuartiere im Landkreis Gießen Energetische Quartierskonzepte erarbeiten. Bestands- und Potenzialanalyse wurden bereits abgeschlossen, aktuell wird die Handlungsstrategie erarbeitet. Sie zählt die Handlungsfelder auf und benennt Maßnahmen, die für die Umsetzung notwendig sind. Die Zusammenarbeit mit Bürgerinnen und Bürgern ist an dieser Stelle des Projektes von besonderer Bedeutung, denn hier haben die Menschen vor Ort die Möglichkeit, ihre Ideen zu ergänzen und die Priorisierung zu beeinflussen.

Der Öffentliche Workshop im Bürgerhaus Obbornhofen ist also einer der wichtigsten Termine im einjährigen Konzeptzeitraum gewesen. Etwa 40 Personen nahmen die Gelegenheit zur Mitwirkung wahr und füllten Projektsteckbriefe aus. Im Handlungsfeld Mobilität und Nahversorgung waren darauf beispielsweise die Anbindung an die Horlofftalbahn, kleinere Busse oder auch die Anschaffung eines gemeinschaftlichen Lastenrades genannt worden. Einen „Walking-Bus“ und ein Tempolimit, aber auch die Klärung der Parksituation für den ruhenden Verkehr wurden vermerkt.

Diese Maßnahmen knüpfen direkt an diejenigen an, die den Öffentlichen Raum betreffen. Darunter wurde die Verbesserung der Verkehrssicherheit, sichere Gehwege oder die Erneuerung und Erweiterung des Kinder-Spielplatzes durch Geschicklichkeitsspiele oder auch die Einrichtung eines Wasserspielplatzes an der Obbornquelle genannt. Gewünscht wurde zudem, die Räumlichkeiten im und um das Heimatmuseum stärker zu nutzen – auch um einen Toilettenzugang für die Menschen, die sich an der Obbornquelle aufhalten, zu schaffen. Für Jugendliche, die nicht mehr auf dem Spielplatz ihre Zeit verbringen, sollte ein alternativer Aufenthaltsort gefunden werden. Mehr Sonnenschutz, einen grüneren Ort durch „Pflegepatenschaften“, die nachhaltige Nutzung des Obborn-Wassers, Starkregenereignisse vorauszudenken und bei Neubauvorhaben auf Gründächer und Wasserkreisläufe zu achten – all dies soll nach Wunsch der Teilnehmenden in Zukunft – auch unter gemeinschaftlichem Austausch – vorangebracht werden.

Unter dem Stichwort Wohnen und Gemeinwesen wurde die effiziente Nutzung von Leerstand für Jung und Alt genannt und der Wunsch zum langfristigen Erhalt eines Dorfladens. Zudem ein Café mit Co-Working-Möglichkeit, neuer Wohnraum für alle Generationen und Senioren sollten neben Betreuungsangeboten auch Sport- und Fitnessmöglichkeiten bekommen. Beim Thema Energieversorgung wurde ein Wärmenetz genannt, das seine erneuerbare Energie aus der Obbornquelle zieht, wünschenswert aus Perspektive von Teilnehmenden wäre ein Zuschuss für den Erwerb von Stecker-Solar-Anlagen und die Abgabe von Strom aus PV-Anlagen über die Grundstücksgrenze hinaus. Die individuelle Beratung bei Solarstrom, Wärmepumpe, Dämmung und Fördermittelberatung wurde gewünscht und dass die Stadtverwaltung als gutes Beispiel vorangehen solle.

Am Ende bleibt der Ausblick auf das Jahresende, an dem der Bericht über die Möglichkeiten in Obbornhofen vorliegen wird. Diesen werden die Projektbüros in den nächsten Wochen erstellen und dabei gemeinsam mit der Stadt Hungen auch prüfen, wie die gewünschten Maßnahmen berücksichtigt werden können. (Diana Wetzestein, KEEA)

Öffentlicher Workshop in Treis zeigt Potenziale und Engstellen auf

14. September 2023_Staufenberg-Treis. Sie wollen etwas verändern. Die Teilnehmenden am öffentlichen Workshop in Treis, der Mitte September unter der Regie der Projektbüros KEEA GmbH und B.A.U.M. Consult GmbH im BING durchgeführt wurde. Auch Treis, eines von sechs ZukunftsQuartieren im Landkreis Gießen, will mit der Zeit gehen und im Dorf wichtige Änderungen angehen. Großes Interesse zeigte darum auch Bürgermeister Peter Gefeller, der die Maßnahmen für Treis am Ende umsetzen muss.  
Bis es dazu kommt, müssen erst einmal alle Ideen und möglichen Maßnahmen aufgenommen werden. Sie fließen in die Handlungsempfehlungen ein, die Ende des Jahres im Bericht über das Integrierte energetische Quartierskonzept vorgelegt werden. Dort fließen die im Projektzeitraum erhobenen Daten ein, auch die Ideen der Bürgerinnen und Bürger, die im Workshop in Projektsteckbriefen festgehalten wurden. Vorab gab es Informationen von Luisa Rau, B.A.U.M. Consult GmbH, Stefan Schäfer und Armin Raatz, beide KEEA GmbH.

Die Teilnehmenden vermerkten im Bereich Gebäude und Wohnen, dass sie sich die Stadtverwaltung als Vorbild bei der Sanierung der eigenen Liegenschaften wünschen. Eine Erstberatung vor Ort, bei der Umstellung der Heizung oder der Sanierung, sollte durch niederschwellige Angebote möglich sein. Bei Kauf oder Übergabe von Gebäuden solle eine aufsuchende Beratung greifen. Auch wurden eine spezielle Beratung für Fachwerk, Denkmale und 70er-Jahre Bauten sowie die Unterstützung bei der Vermietung von privatem Wohnraum vermerkt. Eine Art „Schaufenster beim Sanieren und Energieversorgung“ mit guten Beispielen, die beim Dorfspaziergang angeschaut werden könnten, war eine andere Idee. Barrierefreie Wohnungen, altersgerecht und zentral gelegen, bildeten der Übergang zum Themenfeld Gemeinwohl und öffentlicher Raum. Hier wurde das Verweilen im Dorf, Radabstellmöglichkeiten, Dorfbrunnen und ein zentraler Platz gewünscht. Stärkung und Sicherheit sozialer Strukturen und Vereine, die gemeinsam für Nachwuchs in den Vereinen werben und einen Online-Veranstaltungskalender anbieten. Aber auch die Regenwassernutzung, Anreize für Zisternen oder Versicherungsflächen zu schaffen.

Zur Mobilität und Nahversorgung zählen Anmerkungen wie, die Radwege besser auszubauen, einen Radschulweg anzulegen, Car-/Lastenrad-Sharing und E-Ladesäulen auszubauen oder die Tempo-30-Zonen auszubauen. Sicherer durch den Ort zu kommen, mehr Zebrastreifen, bessere Markierungen auf den Straßen, waren wichtige Themen. Zu viele LKW in Treis ist eine Baustelle, die aber im Rahmen des Quartierskonzeptes und des eventuell nachfolgenden Sanierungsmanagements nicht bearbeitet werden könne, wie Stefan Schäfer später sagte. Der Wunsch nach besserer ÖPNV-Abdeckung hingegen schon.

Die zentrale Frage war, wie mit der Sport- und Kulturhalle und dem BING umzugehen ist. Bauliche Veränderungen oder Neubau (SuK-Halle) und die Versorgung mit Wärme und Strom stehen auf der Agenda der Möglichkeiten. Ein kleines Nahwärmenetz für die öffentlichen Liegenschaften in Treis gibt es bereits, an diesen Plänen wird sicher weitergearbeitet. Auch Geothermie ist eine Möglichkeit, Teile des Ortes mit Wärme zu versorgen. Die Handlungsempfehlungen und der Bericht darüber werden mit Spannung erwartet. (Diana Wetzestein, KEEA)

20. Juli 2023_Allendorf-Lumda. Bewusster leben und den Energieverbrauch reduzieren, wo es möglich ist. Diese Aufgaben werden auch in Allendorf immer mehr zum Alltag gehören. Zur Halbzeit der Konzepterstellung konnten die Ideen der Bürgerinnen und Bürger mit einfließen. Etwa 50 Personen nahmen die Gelegenheit der aktiven Mitwirkung beim öffentlichen Workshop der Zukunftsquartiere im Landkreis Gießen wahr. Begleitet wurden sie von Bürgermeister Sebastian Schwarz, Klimaschutzmanager Daniel Schneider und Bauamtsleiter Felix Jung. Gemeinsam mit den Mitarbeitenden der Projektbüros KEEA GmbH und B.A.U.M. Consult GmbH unterstützten sie bei den Kleingruppenarbeiten zur Weiterentwicklung der bereits benannten Maßnahmen, ließen den Bürgern dabei aber den Vortritt.

Bei der Einführung in den öffentlichen Workshop durch die Projektleitung Luisa Rau, B.A.U.M. Consult GmbH und Stefan Schäfer, KEEA GmbH, wurde noch einmal auf Ansatz und Ziel hingewiesen. “Das Ortskonzept von Allendorf-Lumda soll am Ende nicht nur energetische Aspekte, wie den energetischen Zustand der Gebäude, Energieversorgung und Reduzierung der Verbräuche und eine optimalere Mobilität, sondern auch soziale Aspekte berücksichtigen”, sagte Luisa Rau. Die Anforderungen an das Wohnen hätten sich verändert, die Nahversorgung, sprich Einkaufsmöglichkeiten oder Ärzte zu erreichen, das Ehrenamt und die nachbarschaftlichen Beziehungen und die Ansprüche an den öffentlichen Raum sollten berücksichtigt werden.

Wie stellt sich Allendorf seine Energieversorgung der Zukunft vor? Wie wollen die Allendorfer ihren öffentlichen Raum zukünftig gestalten?  Die Mitwirkenden hatten dafür ganz konkrete Vorschläge. Den Solarstrom als “Quartiersstrom” zu nutzen, ihn an Nachbarn liefern und im Gebäude selbst verbrauchen zu dürfen, war ein Vorschlag. Auch die Umstellung von fossilen zu erneuerbaren Energien könnte aktiver vorangetrieben werden. Beispielsweise durch einen Wettbewerb “Kesseltausch – Wer hat den ältesten?”, der viele Ölheizungen, die in die Jahre gekommen sind, in den Ruhestand schicken könnte. Die Idee: Einen Wettbewerb mit hohem Preisgeld durchzuführen, das für den Austausch des ältesten Kessels dann ausgezahlt werden könnte. 

Auch die Vorbildfunktion der Stadtverwaltung wurde thematisiert, diese könne ihre eigenen Liegenschaften im Sinne der Energiewende sanieren oder umrüsten. Von einem öffentlichen Spaziergang mit dem Bürgermeister, einer Art Inspektion der kommunalen Immobilien, über die Ausstellung zu Dämmstoffen und der Präsentation bereits umgesetzter (Fachwerk)Sanierungen im Ort, über eine Informationsoffensive, genannt “Beratungskaskade”, die den Käufern von Häusern mit Rat und Infomaterial zur Seite stehen. Entwicklung der Altstadthöfe, weniger Neubaugebiete, mehr Nachverdichtung im Bestand, den vorhandenen Wohnraum besser nutzen, all das wurde niedergeschrieben.

Wie wohnen wir in Allendorf im Alter? Die Beratungsangebote zu barrierefreiem Wohnen einführen und einen Seniorenbeirat einrichten, war hier gewünscht. Aber nicht nur die Situation der Gebäude, sondern auch die Verbesserung des Nahverkehrs, beispielsweise durch die Einführung einer Buslinie zwischen Reiskirchen und Ebsdorf, war Thema. Car-Sharing Angebote zu schaffen, Mitfahrbänke, E-Ladestationen oder Poolfahrzeuge, all das muss nicht erfunden, sondern nur umgesetzt werden.
Die Förderung des Fußverkehrs durch sichere Querungsmöglichkeiten, Übergänge, Zebrastreifen oder eine Tempo-30-Zone, wurden notiert und sichere Schulwege – weg vom Hol-und-Bringverkehr an der Grundschule. Die Artenvielfalt zu stärken, indem mehr lebendige Vorgärten, Blühwiesen, Baumpflanzaktionen und insektenfreundliche Beleuchtung geschaffen werden, war Thema, zudem sollte die Aufenthaltsqualität durch Verschattung der Spielplätze, Ausweitung öffentlicher Plätze oder mehr Radabstellmöglichkeiten verbessert werden.
Den größten Zuspruch bekam das Thema “Regenwasser-Nutzung”, mehr Zisternen und Versickerungsflächen, ein weitsichtiger Umgang mit der Ressource Wasser, wurden hier gefordert. Dass Allendorf viel zu bieten hat, wurde deutlich, als der Vereinstag oder der Vereinsmarkt vorgeschlagen wurde, bei dem für alle sichtbar gezeigt werden sollte, welche Vereine es dort bereits gibt und wo man sich in Allendorf noch engagieren könnte. 

Das Ortskonzept befindet sich in der dritten von vier Projektphasen. Nach der Bestandsanalyse im Winter 2022, wurde im Frühjahr dieses Jahres die Potenzialanalyse durchgeführt. Der Sommer gilt der Handlungsstrategie, die Handlungsfelder benennt, Maßnahmen entwickelt und am Ende priorisiert. Im Bericht, der im Winter 2023 vorliegen wird, ist das abgestimmte integrierte energetische Quartierskonzept niedergeschrieben. Die Umsetzung der Maßnahmen wird dann eventuell ein Sanierungsmanagement übernehmen. (dw) 

19. Juli 2023_Lang-Göns. Was ist ein Quartierskonzept? Und wofür soll das gut sein? Diese Fragen stellten sich sicherlich viele Bürgerinnen und Bürger in Lang-Göns als sie davon erfuhren, dass für den Westteil ihres Ortskerns ein Integriertes Energetisches Quartierskonzept erarbeitet werden soll. Konkret geht es um die Gebiete zwischen Bahnschienen, A45 sowie den Gebäuden der Wohnungs- und Siedlungsbaugenossenschaft. Im Rahmen eines öffentlichen Workshops im Bürgerhaus Lang-Göns wurden die bisherigen Ergebnisse im Bürgergespräch weiter vertieft. Die Ergebnisse sollen nicht nur die Anregungen der Bürgerinnen und Bürger berücksichtigen, einige Vorschläge könnten später auch als zusätzliche kommunale Angebote aufgenommen werden. Es gehe darum, einen Weg zu finden, den Ort gemeinsam zu entwickeln, die Bürger, die Kommune und die Politik zu einem guten Miteinander zu verbinden, sagte Klimaschutzmanagerin Susanne Müller.

Der Landkreis Gießen erteilte im August 2022 den Auftrag für die Erstellung von insgesamt sechs energetischen Quartierskonzepten, denn neben Lang-Göns werden diese auch für Allendorf-Lumda, Großen-Buseck, Hungen-Obbornhofen, Lich-Muschenheim und Staufenberg-Treis erstellt.  Im November 2022 hat die KEEA Klima und Energieeffizienz Agentur GmbH ihre Arbeit in Lang-Göns aufgenommen. Unter der Projektleitung von Malte Cordes und Stefan Schäfer (KEEA) wurden Gespräche geführt, Ortsbegehung und Gebäudedatenerhebung, Umfrage, Seminare und nun auch ein öffentlicher Workshop durchgeführt. Mitte Juli fanden sich etwa 150 Personen im Bürgerhaus ein, um ihre Ideen und Wünsche festzuhalten, die auch als mögliche Maßnahmen im Endbericht genannt werden sollen.  

„Wir wollen Hilfestellung im Bereich der energetischen Sanierung und Wärmekonzepte für Wohngebäude anbieten und die Aufenthaltsqualität in Langgöns gemeinsam verbessern“, so die Klimaschutzmanagerin Susanne Müller, die vor allem auf das Ergebnis einer Interessensabfrage zu einem möglichen Wärmenetz gespannt war, Interessenten konnten sich am Ende der Veranstaltung in eine Liste eintragen. Nach der Begrüßung durch die Klimaschutzmanagerin und noch bevor es für die Bürger an die Arbeit ging, stellten Cordes, Schäfer und weitere Kollegen den aktuellen Projektstand vor und präsentierten erste Ergebnisse einer Vorstudie, deren Aufgabenstellung einen Schwerpunkt des Quartierskonzeptes für den alten Ortskern darstellt. Demnach sollte geprüft werden, ob Kindertagesstätte Mäuseburg, Betreuungsverein Spatzennest, das Bürgerhaus, die beiden Sporthallen sowie ggf. weitere Bestandsgebäude zukünftig sinnvoll über ein gemeinsames Nahwärmenetz mit Wärme aus erneuerbaren Energien versorgt werden könnten.  

Die Vorstudie hat ergeben, dass ein potenzielles Nahwärmenetz die kommunalen Gebäude und die Bestandsgebäude Am Alten Stück, Jahnstraße, Amtshausstraße, Am Mühlberg, Moorgasse, Breitgasse, Schmittgraben und Hinter den Niederhofen erreichen könnte. Auch eine Abzweigung zu einem möglichen Neubaugebiet im Westen wäre möglich. Es kommt am Ende aber auf viele Faktoren wie bspw. Abnahmemenge, Leitungslänge, Auswahl der Energiequellen sowie die Finanzierung an. In einer später zu beauftragenden Machbarkeitsstudie soll geklärt werden, ob und wie das Nahwärmenetz konkret umgesetzt werden kann.    

Da es bei der Erarbeitung des Quartierskonzeptes aber nicht nur um das Nahwärmenetz geht, sondern um die Verbesserung der Lebensqualität durch eine Quartiersentwicklung, erarbeiteten die Teilnehmenden in kleinen Gruppen mögliche Projektideen und brachten diese für die Themenfelder Energieversorgung, Gebäude und Wohnen, Mobilität und Nahverkehrsversorgung sowie Öffentlicher Raum und Klimaanpassung in Form von Projektsteckbriefen zu Papier. Im Bereich „Gebäude und Wohnen“ wurden die Bausünden und der Sanierungsstau bei Bestandsgebäuden thematisiert. Dem Fehlen eines Gesamtkonzeptes für „vernachlässigte“ Gebäude wurde die Idee gegenübergestellt, sich Sanierungskonzepte in anderen Gemeinden anzuschauen und eine übergeordnete Lenkungsgruppe einzusetzen, die das Gesamtkonzept im Blick hat. Sich Beispiele aus der Praxis anzuschauen, könnte ein erster Schritt sein, wie sanierter Wohnraum entstehen kann, der am Ende zudem noch ins Ortsbild passt. 

Auch bei der „Mobilität und Nahverkehrsversorgung“ war die Ideenliste lang. Quartierslastenrad, Quartiersauto, überdachte Bushaltestellen, kostenfreier Schulbus und ein WalkingBus, direkte Busverbindung nach Gießen, mehr Zughalte, Tempo 30, Änderung der Vorfahrtsregelungen, mehr Zebrastreifen, Parkraumplanung verändern, Fußgängerampel und sogar die Installation von Blitzern an den Ortseingängen wurden notiert. Als erste Schritte wurden Umfragen, Petitionen und Gefahrenanalysen vorgeschlagen oder die Entscheider von der Kirche zu Fuß zum Supermarkt gehen zu lassen.  

Beim Thema „Energieversorgung“ wurden ein Erfahrungsaustausch über dezentrale Wärmeplanung, zugehende Energieberatung, Heizungscheck und Photovoltaik genannt. Mieterstrom und Mini-PV-Anlagen, sogenannte Balkonkraftwerke, aber auch Anlagen auf Parkflächen im Industriegebiet, auf Neubauten und öffentlichen Gebäuden. „Öffentlicher Raum und Klimaanpassung“, darunter standen Ideen wie: bessere Vernetzung der Vereine und Ehrenamtlichen, Begrüßungspaket und Paten für Neubürger, Informationen über die Angebotspalette im Dorf. Die Sanierung des Straßenbelages in der Obergasse, die Parkplatzsituation am Friedhof und der Wunsch nach einem Dorftreffpunkt. Die Klimaanpassung bekam ebenfalls viel Aufmerksamkeit, so sollten die Biodiversität und Grünflächen beachtet werden, mehr Blühwiesen statt Rasenflächen, mehr Bäume an den Straßenrändern, Pflanztauschbörse, die Beleuchtung soll Insektenfreundlich werden, die Flächen entsiegelt und für schattige Plätze gesorgt werden, an denen Sitzbänke und Mülleimer stehen. Für den Hochwasserschutz wurde ein Runder Tisch gewünscht, die Renaturierung von Wassergräben und die Beratung für Anwohner am Gönsbach. Aber auch für Trockenperioden wollen die Menschen Vorsorge treffen, das Regenwasser nutzen und Wasser besser schützen. Zisternen bauen oder Regenwasser versickern lassen. 

Die gesammelten Ideen und Vorschläge werden im nächsten Schritt priorisiert und schließlich im Endbericht des Quartierskonzeptes festgehalten, der am Ende dieses Jahres vorliegen soll. (Diana Wetzestein, KEEA)  

21. Juni 2023_Alten-Buseck. Es wird konkret. Im öffentlichen Workshop zum Zukunftsquartier Alten-Buseck wurden etliche Maßnahmenideen zu den Handlungsfeldern Energieversorgung, Gebäude & Wohnen, Mobilität & Nahversorgung sowie Öffentlicher Raum & Klimawandelanpassung entwickelt. Gemeinsam mit den Bürgern wurden 14 Maßnahmen erarbeitet. Ein gutes Ergebnis, das vom beauftragten Projektteam der KEEA Klima- und Energieeffizienzagentur GmbH (KEEA) und B.A.U.M. Consult GmbH (B.A.U.M.)  in das integrierte energetische Quartierskonzept eingearbeitet wird. Das Konzept wird während der Sommerferien geschrieben und nach Fertigstellung in der Gemeindevertretersitzung beschlossen.
Zur Einstimmung und Einführung stellten KEEA und B.A.U.M. das Projekt und den aktuellen Status noch einmal vor. Den 45 interessierten Teilnehmenden, die am Workshop und der Zukunft von Alten-Buseck mitarbeiten wollten, wurden auch die Ergebnisse der Datenerhebungen vorgestellt. Das schaffte eine gute Grundlage für die anschließende gemeinsame Arbeit.

Auch Bürgermeister Michael Ranft nahm am Workshop teil und versprach bereits während der Begrüßung eine spannende Veranstaltung. Spätestens als Armin Raatz, Geschäftsführer der KEEA und Gesamtprojektleiter für die Zukunftsquartiere im Landkreis Gießen, über relativ einfach umzusetzende Maßnahmen im Bereich Energieeinsparung referierte – und dies anhand von Beispielen an der eigenen Immobilie demonstrierte – war klar, dass er nicht zu viel versprochen hatte und weiß, wovon er spricht.
Armin Raatz berichtete zudem über die zukünftige Wärmeversorgung, ein Thema, über das derzeit heftig diskutiert wird. Vor allem der Bau von Wärmenetzen werde oft als gute Lösung angeführt. Ein Wärmenetz sei allerdings nicht überall umsetzbar, hier käme es vor allem auf die Wärmequelle und die Abnahmemengen an, so Raatz. Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten im Quartier Alten-Buseck wäre es wirtschaftlich nicht sinnvoll, dort ein Wärmenetz einzurichten. Daher plädierte Armin Raatz für mehr „Suffizienz“, der nachhaltigen Begrenzung des Energiebedarfs. Als Ergänzung zur Energieeffizienz sei das unbedingt nötig. Schließlich solle auch der Verbrauch günstiger Energie reduziert werden. „Es herrscht noch viel Potenzial bei der Energieeinsparung, zum Beispiel kann man durch die Dämmung der obersten Geschossdecke viel Energie einsparen. Aber auch mit kleineren Maßnahmen kann man etwas tun. Ein Blick auf die Heizkörper, vor denen oftmals Möbelstücke stehen, die eine optimale Verteilung der Wärme im Raum verhindern, ist so eine kleine Maßnahme“, so Raatz.

Nach dem Input vom Energieexperten Raatz ging es für die Teilnehmenden an die Arbeit. Die Bürger fanden sich zu den einzelnen Handlungsfeldern in kleinen Gruppen zusammen, diskutierten und notierten ihre Ergebnisse. Das Handlungsfeld „Öffentlicher Raum & Klimawandelanpassung“ bekam den größten Zulauf. An diesem Tisch wurden viele Vorschläge für die Verbesserung im Quartier gesammelt. Die Auswertung dieser Diskussion durch die Projektteams dokumentierte ein Defizit bei der Anzahl attraktiver Begegnungsorte, was nun nicht nur offen kommuniziert ist, sondern auch auf die Agenda der Maßnahmen kommt und somit im Konzept genannt wird.

Doch wie geht es nach der Konzepterstellung weiter? Wünschenswert wäre eine Anschlussförderung im Rahmen des Förderprogramms KfW 432, denn so könnte ein gemeinsames Sanierungsmanagement für die Zukunftsquartiere seine Arbeit aufnehmen. Dieses wäre dann Ansprechpartner für die Umsetzung der im Konzept genannten Maßnahmen. Wie Bürgermeister Ranft mitteilte, wurde am Vormittag des Workshops bei einer Besprechung der Bürgermeister des Landkreises Gießen über die mögliche Fortführung der Zukunftsquartiere im Landkreis Gießen gesprochen. Die finale Entscheidung darüber sei noch nicht gefallen und werde in den kommenden Monaten beraten, so Ranft. (Diana Wetzestein, KEEA)